KARLSRUHE Plattform

Zum Hintergrund des Gebäudebestandes und der Organisation des Sozialen Wohnens

Die Volkswohnung GmbH ist die Wohnungsgesellschaft der Stadt Karlsruhe. Sie wurde 1922 durch die Stadtverwaltung gegründet, um die Engpässe an sozialen Wohnungen nach dem 1. Weltkrieg zu überwinden. Die Stadt Karlsruhe ist bis heute der Hauptanteilseigner der Volkswohnung.

Die Hauptaufgabe der Volkswohnung ist es, den Bürgern der Stadt Karlsruhe preiswerte Wohnungen guter Qualität zur Verfügung zu stellen und durch gute Architektur und Stadtplanung einen Beitrag zur städtischen Qualität zu leisten.

Gegenwärtig werden in Karlsruhe und im Umland rund 14.000 Wohnungen vermietet. Zwei Drittel davon wurden durch die Volkswohnung selbst errichtet, der Rest wurde zugekauft. Darüber hinaus wird eine größere Anzahl von Wohngebäuden im Auftrag für Dritte verwaltet.

Nach dem großen Wiederaufbauprogramm zwischen 1950 und 1970 bestehen die aktuellen Aufgaben darin, diese bestehenden Gebäude zu modernisieren und qualitativ zu verbessern. Dazu gehören Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur effizienten Bereitstellung von Heizenergie und Warmwasser, zum Beispiel durch Kraft/Wärme-Kopplung und die Nutzung von Abwärme oder durch Nutzung erneuerbarer Energien, wo dies möglich ist.

Die Volkswohnung sucht beständig nach Verbesserungen in der Organisation und im Einsatz von Technologien, um ihre Ziele zur Verbesserung der Nachhaltigkeit ihres Gebäudebestandes zu erreichen. Im Rahmen ihres über die letzten 20 Jahre laufenden Sanierungsprogramms, mit Investitionen von bisher fast 200 Mio. €, konnte der Durchschnittsverbrauch in ihren Wohngebäuden um etwa 50 % reduziert werden (von 250 auf 135 kWh pro m2 Wohnfläche zur Deckung des Bedarfs an Heizenergie und Warmwasser). Eine weitere Halbierung dieses Wertes bis Abschluss des Sanierungsprogramms ist zu erwarten.

Video-Material über das Projekt

Version erweitert hinsichtlich der in Karlsruhe implementierten Plattform, das Material steht nur in Deutsch zur Verfügung. Das allgemeine Video-Material in Bezug auf das Projekt SAVE@Work4Home ist hier zugänglich.

Bisher übliches Energiemanagement durch die Mieter

Die meisten unserer Gebäude weisen Heizzentralen auf, die entweder durch Fernwärme oder mit Erdgas versorgt werden. Nur ein kleiner Teil weist noch dezentrale Heizungen auf, meist Gasetagenheizungen oder auch Gasöfen für die Raumbeheizung. In diesen Fällen wird der Warmwasserbedarf üblicherweise mit Durchlauferhitzern gedeckt, die mit Gas oder Strom betrieben werden. Heizöl wird in unseren Gebäuden nicht mehr verwendet. Im Rahmen des laufenden Sanierungsprogramms werden die dezentralen Heizungen durch zentrale Heizungsanlagen ersetzt.

Mieter mit dezentraler Wärmeversorgung erhalten ihre Energiekostenabrechnung vom Energieversorger, den Stadtwerken Karlsruhe, einmal jährlich, üblicherweise im Januar. In diesem Fall wird der Gas- oder Stromverbrauch der Wohnungen mit entsprechenden Zählern in den Wohnungen gemessen. Im Unterschied dazu erhalten Mieter in Gebäuden mit Heizzentralen ihre Heizkostenabrechnung durch die Volkswohnung, üblicherweise etwa 6 Monate nach Ablauf der Messperiode. In diesem Fall wird der Energieverbrauch des gesamten Gebäudes auf die einzelnen Wohnungen „verteilt" entsprechend den Messergebnissen der Heizkostenverteiler an den Heizkörpern und der Wärmemengenzähler für Warmwasser, oder, wenn diese nicht vorhanden sind, nach bestimmten Berechnungsregeln, die durch die entsprechende Heizkostenverordnung vorgegeben werden. In diesem Fall ist die Energieverbrauchsinformation eher ungenau. In allen Fällen ist sie jedoch zu spät, um das Nutzerverhalten noch beeinflussen zu können.

Wir wissen aus ausführlichen Messungen, dass im Energieverbrauch von Wohnungen innerhalb desselben Gebäudes große Unterschiede bestehen, wegen unterschiedlicher Nutzungsgewohnheiten oder aus anderen Gründen. Es gibt Schätzungen, dass durch richtige Einstellung der Raumlufttemperaturen, sparsames Lüften und bedarfsabhängiges Heizen Einsparpotentiale von 20 % und mehr erreichbar sind. Aus Mangel an richtigen Informationen der Nutzer wird dieses Potential in der Praxis nicht realisiert. Insbesondere ist es für die Verbraucher notwendig, bei falschen Nutzungsgewohnheiten eine Rückmeldung zu erhalten.

In den Wohnungen der Volkswohnung sind fast alle Heizkörper mit automatischen Thermostatventilen zur Regelung der Raumlufttemperatur ausgestattet. Einige neu renovierte Gebäude haben eine erweiterte Möglichkeit zur Regelung der Raumtemperatur: Anstelle eines konventionellen Thermostatventils ist ein funkgesteuertes Thermostatventil montiert. Dieses wird durch ein programmierbares Steuerungsgerät geregelt. Damit können durch den Mieter für jeden Wochentag Heizzeiten und Raumtemperaturen für jeden Raum der Wohnung eingestellt werden. In diesen Gebäuden sind auch automatische Entlüftungssysteme installiert, die die natürliche (Fenster-) Lüftung ersetzen.

Die bei den Mietern durchgeführte Umfrage hat gezeigt, dass nur einige der Mieter imstande sind, diese moderne Ausrüstung korrekt zu bedienen, obwohl den Mietern nach der Sanierung Informationsbroschüren überreicht wurden. Demnach fühlten sich 40 % der Mieter nicht ausreichend über ihre Möglichkeiten zur Energieeinsparung informiert. Rund 35 % fühlten sich auch ungenügend über ihren Energieverbrauch informiert. Um also Einsparpotentiale realisieren zu können, müssen neue Ansätze gefunden werden, um die vorhandenen Hemmnisse zu überwinden.

 

Gründe und Motivation der Wohnungsgesellschaft

Die Motivation der Volkswohnung besteht darin, als Teil einer langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie die Kosten für Heizung und Warmwasser zu reduzieren, sowohl durch energetische Sanierung der Gebäude als auch dadurch, dass sie es den Nutzern ermöglicht, Energie zu sparen, ohne ihren Komfort zu verringern. Ziel ist es, ein Maximum an Energieeinsparung bei einem Minimum an Kosten zu erreichen.

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